| EISERNER RITTER bittet zur ?TAFELRUNDE? |
| Mittwoch, 07. Dezember 2005 um 17:29 |
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Familie Mayer hat allerdings in diesem Jahr an allen 3 Tagen wieder einmal Außerordentliches geleistet: im stilvollen und festlichen Ambiente des „Rittersaales“ erstrahlten die fein dekorierten Tafeln im Wettstreit mit den glänzenden Augen der Gäste: der Lorenz´sche 2004er Rieslingsekt trocken im Zusammenhang mit dem amuse geule (den Gaumen öffnendes, verwöhnendes), dieses Mal Lachsschinken vom Hunsrückschwein mit Streifen vom Knollensellerie, bot eine perfekte Einstimmung auf das, was noch kommen sollte. Die gebackenen Pralinen vom Ziegenkäse an herbstlichen Salaten, dazu die 2002er Spätlese trocken, das Rahmsüppchen vom Muskatkürbis mit gebeizter Lachsforelle im Crêpeteig mit dem 2004er Grauburgunder trocken und danach einer der kulinarisch und önologischen Höhepunkte: Hunsrücker Damwildleber auf Gestampftem von Möhren und Kartoffeln in Verbindung mit - hier staunt der selbst der geübte Gourmant - einem 2004er Riesling fruchtsüß. Lorenz und Mayer haben sich bei der Auswahl dieser Komposition selbst übertroffen! Die Fruchtsüße des Rieslings unterstützte in unnachahmlicher Weise die wunderbare Würze und Zartheit der Damwildleber und bildete im Gaumen einen geschmacklichen Höhepunkt, der seinesgleichen sucht. Dem Sorbet vom alten Rieslingtrester folgte das Duo vom schottischen Hochlandrind auf Fenchelgemüse, zu dem ein trockener Spätburgunder Rotwein Fässerlay Jahrgang 2004 und eine trockene Riesling-Spätlese Feuerlay 2004 gereicht wurde. „Ein wahrhaft königlicher Genuss“ meinten die Gäste und bezweifelten, einem Dessert noch gewachsen zu sein. Hier irrten sie: das von Konditormeister Philipp Schug kreierte Dessert war derart brillant komponiert, dass man es unwiderstehliche „ritterliche Pflicht“ betrachtete, den Köstlichkeiten bis auf den letzten Biss den Garaus zu machen. Und um dem allen noch die Krone aufzusetzen, spielte nicht etwa ein Bänkelsänger zum Bankett, sondern Maestro Lothar R. Mayer, jüngster Bruder der „Ritterschen Dynastie“ und seines Zeichens über Landesgrenzen hinaus bekannter Pianist, Dirigent und Lehrer in persona das Klavier: Nike Schmitka, Mezzosopranistin aus Bielefeld und Christine Bossert, Schauspielerin aus Stuttgart boten mit ihrem Gesang und ihren Goethe, Heine und Rilke - Rezitationen wundervolle Unterhaltung auf künstlerisch hohem Niveau, bei dem es sich inhaltlich rund ums Thema Tafelfreuden handelte. Apropos Tafelfreuden: hier bot das Mittelalter durchaus Vorteile. Von König Artus´ Inselreich bis ins Rheintal konnte man sich noch über frisch geerntetes Gemüse und das Fleisch von glücklich herumstreifendem und frisch erlegtem Wild freuen, wobei sich die heute lebende Menschheit mit Fleischskandal und Rinderwahn, mit genmanipuliertem Gemüse und hormongefüttertem Schweinevieh herumplagen muss. Der Gang zum Supermarkt wird zur Fragestunde im Hinblick auf Fleischherkunft und – Verarbeitung, die Metzgerzunft muss dem Verbraucher Rede und Antwort stehen und der Gemüsehandel muss sich fragen lassen, ob die rot glänzenden Tomaten nicht doch vielleicht genmanipuliert sind! Nicht so bei Küchenchef Josef Mayer: hier erübrigt sich jede Frage, denn die hohe Qualität der Produkte seines Hauses ist nicht nur Ergebnis einer hohen Kochkunst, sondern Teil seiner eigenen Philosophie: nur ehemals glückliche Tiere ergeben bestes Fleisch von vorzüglichem Geschmack und Geruch, nur frische Gemüse aus der Region und Beigaben aus dem heimischen Kräutergarten führen zu derart guten Resultaten auf den Tellern seiner Gäste. So kommen die schottischen Hochlandrinder direkt aus Niederkirchspiel, auf denen sie ganzjährig auf luxuriösen 100 Hektar bestem Weideland grasen und rasen dürfen. Dafür geben sie festeres und besseres Fleisch als ihre oft von weit her kommenden Kollegen. An dieser Stelle sei ein Lob auf ihren Züchter Manfred Wehr aus Hübingen ausgesprochen, dem nicht nur Josef Mayer das Vertrauen ausspricht. Auch der verwendete Ziegenkäse stammt von freilaufendem Getier: die Steillagen von Bornhofen sind Teil eines E&E Projektes, bei dem gegen die Verbuschung der Hänge im Mittelrheintal angekämpft wird. Die hier angesiedelten Ziegen ersetzen sozusagen den Landschaftsgärtner indem sie das Blattwerk der Büsche fressen und so deren Verbreitung verhindern. Diese „gesunde“ Art der Heimatpflege findet im Hause Mayer große Unterstützung und könnte über die Region hinaus beispielhaft sein. Und nun zurück zu König Artus: Ihm hätte diese Tafelrunde wahrhaft Freude gemacht, er hätte alle Beteiligten zum Ritter geschlagen und die, die schon „Rittersch“ sind, in den Adelstand erhoben - zumindest war das die Meinung aller Gäste! Rhein-Hunsrück Anzeiger Ausgabe 49 vom 07.12.2005 mit freundlicher Genehmigung des Rhein-Hunsrück-Anzeigers |








