Verdi erklingt zu Sechs-Gang-Men?
Mittwoch, 22. August 2001 um 01:00


Von Petra Dettmer
{mosimage}BOPPARD-WEILER. Der Name ist eher ungewöhnlich. Doch Inhaber Josef Mayer kann sofort weiter helfen: "Der Gründer des Gasthauses erbeutete während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 bei einem Angriff zu Pferde in der gegnerischen Stellung die Fahne der dortigen Truppeneinheit. Dafür wurde ihm das Eiserne Kreuz verliehen. Fortan hieß er zu Hause nur noch der "Eiserne Ritter"." Und dieser Name ist zum Markenzeichen geworden - besonders für eine Küche, die sich dem Hunsrücker Damwild verschrieben hat.


"Wieso soll ich andere Produkte nehmen, wenn das Gute so nah liegt", sagt sich Josef Mayer. "Das Damwild lebt in intakter Natur. Das Fleisch ist kurzfaserig und butterzart, aber dennoch saftig. Und es hat das so beliebte milde Wildaroma." Josef Mayer liebt es aber nicht nur regional, sondern auch saisonal. Momentan gibt es Pfifferlinge von A bis Z . Ob mit Speck, Rührei, Pasta oder auch Carpaccio vom Damwildschinken, es ist für jeden Geschmack etwas dabei.


Eine besondere Rolle spielt bei den Köchen des "Eisernen Ritters" auch der üppige Kräutergarten. Ein Schritt durch die Küchentür hindurch, und schon können duftenden Kräuter, wie Pimpinelle, Salbei, Zitronenthymian, Kapuzinerkresse oder Pfefferminz gepflückt werden. "Unser Koch Mirek hat ein absolutes Händchen für den Kräutergarten", sagt Josef Mayer, der selbst jeden Abend in der Küche steht, bewundernd. Nicht nur als Augenschmaus servieren die zwei auch gerne Blüten. Jedoch die wenigsten Gäste wissen, dass zum Beispiel die hübsche Malvenblüte nicht nur Dekoration ist, sondern auch gegessen werden kann. Ein Kraut hat es Josef Mayer besonders angetan: das scharfe Bergbohnenkraut. "Ich hätte nicht gedacht, dass es wirklich so scharf ist", sagt er und erinnert sich lachend: "Die ersten Bohnen, die ich damit eingelegt hatte, konnte ich glatt wegschmeißen. Doch wenn man es richtig dosiert, ist es toll."


Der "Eiserne Ritter" ist ein absoluter Familienbetrieb. Während Vater Paul beim Staub saugen hilft, kümmert Bruder Paul sich um den Service. "Und mein Bruder Lothar versorgt uns mit guten Musikanten", sagt Josef und schmunzelt. Lothar ist musikalischer Leiter des ZAP in Emmelshausen. So sind zum Beispiel schon Sänger und Sängerinnen der Stuttgarter Staatsoper im "Eisernen Ritter" aufgetreten oder erst kürzlich anlässlich der Mittelrhein-Momente Mitglieder des Mladi-Orchesters Bonn. Und im November werden bei einem Sechs-Gang-Menü unvergessliche Melodien von Verdi erklingen.


Josef Mayer selbst ist lange zur See gefahren, bevor er sich als Koch in Weiler niederließ. Wer denkt, dass er dabei seine niederländische Frau Conny kennen gelernt hätte, irrt. Conny kam damals als Gast nach Boppard. Heute kümmert sie sich um die Gäste des Hotels.


mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Hunsrück-Zeitung vom 22.08.2001, Seite 16.