Ritter hatte seinen 15. „Moment“
Montag, 30. Januar 2012 um 00:00

Produkte aus der Region mit musikalischen Leckerbissen garniert.

Das Konzept ist gut. Die Veranstaltungen werden angenommen. Und es muss nicht immer das ganz große „à la région“ sein, dass nur alle zwei Jahre stattfindet. Längst haben sich die kleinen, aber feinen Veranstaltungen unter dieser Überschrift etabliert. Da werden heimische Produkte von den örtlichen Köchen in fein abgestimmte Menüs umgewandelt, Winzer aus der Region reichen dazu ihre Tropfen und obendrauf gibt es noch ein kulturelles Rahmenprogramm.

Am Ende gönnten sie sich auch ein Gläschen (von links): Joachim Lorenz, Randolf Kauer und Josef Mayer sangen das Lied vom Wasser im Rhein, das goldener Wein sein könnte. Am Klavier saß Lothar R. Mayer. Foto: Thomas Torkler

Weiler. Zum 15. Mal hat Josef Mayer im „Eisernen Ritter“ in Boppard-Weiler dies schon umgesetzt. An zwei Abenden, jeweils im Frühjahr und im Herbst, präsentiert er sich im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mittelrhein-Momente“ zusammen mit Winzern aus der Region. Diesmal waren es Joachim Lorenz mit seinen guten Tropfen aus dem Bopparder Hamm sowie Randolf Kauer aus Bacharach mit Weinen aus den Lagen um Bacharach, Oberwesel und Urbar.

Bei Josef Mayer ist so ein „Großkampftag“ – wie bei all seinen Kollegen – ohne Teamarbeit nicht denkbar. Abgerundet wird diese im Eisernen Ritter durch das beständige Mitwirken von Lothar R. Mayer, Josefs Bruder. Der spielt Klavier, zieht Solisten in das hoch über dem Rhein gelegene Lokal seines Bruders und bestreitet ein anspruchsvolles musikalisches Rahmenprogramm. So wurde auch der 15. „Mittelrhein-Moment“ im Eisernen Ritter zu einem Genuss für alle Sinne.

Während man noch genüsslich an die Saltimbocca vom Hunsrücker Wildschweinrücken mit Elsbeere-Birnenragout denkt, jubiliert Sopranistin Cornelia Sander „'s ist mal bei mir so Sitte“, das bekannte Operettenstück aus der Fledermaus von Johann Strauß. Zu dem Zeitpunkt hatten die Weinpärchen der beiden Winzer Kauer und Lorenz zu jedem Menügang schon den Geräuschpegel im Saal anschwellen lassen – und bis auf einige Unverbesserliche brachten die 70 Gäste bei den Gesangsvorträgen sogar die nötige Disziplin auf und hörten begeistert zu.

Doch es waren die Künstler selbst, die dafür sorgten, dass die rheinische Ausgelassenheit gegen Ende gar karnevalistische Züge annahm. Hatte Bariton Peter Schüler mit komödiantischer Meisterleistung zuvor einer Dame am Tisch „...nur auf die Schulter geküsst“ und damit seinem Beitrag aus dem „Bettelstudent“ die passende Fahrt gegeben, so brachen schließlich bei „Wenn das Wasser im Wein goldner Wein wär“ alle Dämme. Man ist schließlich im Rheinland und bei einem solchen Gassenhauer textsicher. Und der gold'ne Wein im Glas von Joachim Lorenz und Randolf Kauer hatte zuverlässig dafür gesorgt, die Zungen zu lockern – die durch die einzelnen Menügänge von Hausherr Josef Mayer bereits aufs Beste liebkost worden waren. Die launige Moderation der beiden Winzer, die viel Wissenswertes über den Wein vermittelte, tat ein Übriges, sodass den Gästen gar nichts anderes mehr übrig blieb, als in den weinseligen Chor des rheinischen Stimmungsklassikers einzustimmen – um am Ende mit der erneuten Erkenntnis nach Hause zu gehen, dass der Genuss heimischer Produkte, kredenzt von Experten aus der Region, auch bei der 15. Auflage ein Erlebnis war.

Geschrieben von Thomas Torkler, Rhein-Hunsrück-Zeitung vom Mittwoch, 9. November 2011, Seite 18

 

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