Seit 40 Jahre Koch aus Leidenschaft - ein Porträt von Josef Mayer
Donnerstag, 10. September 2009 um 22:00



Fusshoeller-40-Jahre_eiserner_ritter

WEILER. Als Lehrling - heute sagt man Auszubildender - hat Josef Mayer bei Horst Fußhöller im Hotel "Ebertor" in Boppard vor 40 Jahren angefangen. Dass Mayer heute einer der erfolgreichsten Gastronomen im Rhein-Hunsrück-Kreis ist, kommt für Fußhöller nicht von ungefähr: "Er war mein bester Lehrling", sagt der Senior auch heute noch mit Überzeugung.

Ehemaligen Chef besucht

Auch wenn für Mayer die Lehrjahre keine Herrenjahre waren, wie das Sprichwort sagt, schätzt er die Zeit auch heute noch. Und seinen ehemaligen Lehrmeister ebenfalls. Jedenfalls ließ Mayer es sich nicht nehmen, seinem Chef von einst anlässlich seines eigenen Dienstjubiläums einen Besuch abzustatten. Und wenn die beiden dann auf der Rheinterrasse im "Ebertor" ins Fachsimpeln geraten, dann schwingt nicht nur die Erinnerung, sondern auch jede Menge Leidenschaft für den Beruf mit.

Doch zuerst waren die guten alten Zeiten Thema. 1972, am Ende seiner Lehrzeit stand für Mayer und seine damaligen Kollegen fest: "Wenn der uns nicht mehr als 350 Mark zahlt, dann hauen wir ab."

Nun, Letzteres sollte schneller Realität werden, als Mayer es sich damals hätte träumen lassen. Horst Fußhöller hatte nämlich vor, seinem besten Schützling gar nichts mehr zu zahlen, denn klammheimlich hatte er Josef Mayer ins ehrwürdige Hotel "Kempinski" nach Berlin vermittelt.

Zu dem Zeitpunkt hatte Mayer noch lange nicht seine Prüfung gemacht. Ein Zeichen für die Wertschätzung, die sein Boss ihm damals entgegen brachte. Immerhin musste man eine zweijährige Wartezeit ins Land gehen lassen, wenn man darauf aus war, in dem noblen Berliner Haus unterzukommen. Doch Horst Fußhöller hatte die Weichen zusammen mit Kempinksi-Chef Rolf W. Münster frühzeitig für seinen Paradeschüler gestellt.

Und als er Josef Mayer von der Möglichkeit erzählte, nach Berlin gehen zu können und dieser zu bedenken gab, dass er schließlich zunächst seine Prüfung machen müsse, meinte Fußhöller nur: "Die Prüfung schaffst du schon!" Die Möglichkeit, in Berlin in einem der damals ersten Häuser am Platz arbeiten zu können, sah Mayers Familie allerdings nicht so euphorisch wie er selbst. "Der Jung verkommt in Berlin", war die Meinung des Vaters.

Doch Josef Mayer fackelte nicht lange und unterschrieb den Vertrag für Berlin innerhalb von 45 Minuten. Und was seine Prüfung als Koch anging: Die bestand er mit einer "Auszeichnung für strebsame Lehrlinge", wie damals unsere Zeitung formulierte. Nach Berlin machte Mayer sich für eine Saison bei Ulm selbstständig, bevor er 1974 nach Rotterdam ging, wo er schließlich als Schiffskoch anheuerte. Aber nicht als irgendein Smutje. Von 1975 bis "79 fuhr Mayer zur See auf der "Rotterdam". Die Holländer bezeichneten das Kreuzfahrtschiff, das zwischen Holland und Amerika pendelte, als "het beste Cruiseship van de Werelt". Und das Beste ist für Mayer gerade gut genug. Das gilt vor allem, wenn es um die Zutaten in seiner Küche geht.

Schiff war sein Lehrmeister

Auf dem Schiff war das Leben nicht gerade ein Zuckerschlecken. "Aber hier habe ich am meisten gelernt, sowohl was das Kochen und die Logistik in der Küche, als auch was das Leben selbst betrifft", sagt Mayer. Er mochte die Seefahrt, doch als sein Vater krank wurde, übernahm er 1979 den elterlichen Betrieb in Weiler. Und den hat er nach und nach weiterentwickelt. Nicht nur seine ständige Präsenz bei "à la région" zeichnet Mayer als Meister seines Fachs aus. Regionale Produkte sind sein Credo: "Es muss uns bewusst sein, dass wir hier vom Tourismus leben, und es müsste noch viel mehr auf regionale Produkte gesetzt werden. Man kann eigentlich alles hier beziehen."

Wie zum Beispiel die Kalbskoteletts, die auf seiner Speisekarte schnell aus sind. Mayer bekommt sie aus Woppenroth. Mit dem Betrieb Wolf hat er angefangen, regionale Produkte auf seiner Karte zu etablieren. Erst in kleinem Rahmen. "Es ist gelaufen. Doch dann muss man die Qualität auch halten, auch in weniger guten Zeiten. Da kann man nichts billiger machen", so Mayer. Wenn noch zehn weitere Gastronomen so konsequent auf hohe Qualität aus heimischer Produktion setzten, "würde es uns allen gut gehen", ist Mayer überzeugt. Er würde eine Anhäufung guter Betriebe in unmittelbarer Nachbarschaft eben nicht als Konkurrenz, sondern als Magnet, der Publikum anlockt, sehen.

Eine Chance sieht Josef Mayer - und da ist er sich mit dem alten Fuchs Fußhöller einig - in der Aktion "Welterbegastgeber", in der besondere Hotel- und Gastronomiebetriebe zusammengeschlossen sind, die nicht nur fundierte Kenner ihrer Heimat sind, sondern auch für ein besonderes Maß an Qualität und genussvoller Regionalität stehen. Diesen Zusammenschluss mit Hilfe der Politik weiter zu etablieren, das wäre etwas, was sich Josef Mayer zum 40. Dienstjubiläum wünschen würde. "

rhein-zeitung

Geschrieben von  Thomas Torkler in der Rhein-Hunsrück-Zeitung vom 09.09.2009